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Intendance Palace
Intendance Palace

Die Gazette des Intendanten

Palastverwaltung

Acht Jahre ohne Bellevue: Die Kunst erobert sich an dem Tag, an dem der Staat verschwindet

Vor acht Jahren Bauzeit wurde die Residenz des Bundespräsidenten für eine Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Aber die eigentliche Show ist nicht die Kunst an den Wänden - es ist der Palast, der vom Stromnetz getrennt wird.

Zwei Wochen lang im Juni konnte jeder die Tore von Schloss Bellevue passieren. Damit dies geschehen konnte, musste die deutsche Präsidentschaft damit beginnen, es zu verlassen.

Unter der Schirmherrschaft von Frank-Walter Steinmeier richtete die Akademie der Künste dort eine temporäre Galerie ein, Freiraum Kunst; Das Gebäude leerte sich ohnehin vor einer Großbaustelle. Die Präsidentschaft spricht von der Freiheit der Kunst.

Der Verwalter sieht etwas anderes: eine Staatsresidenz, die mitten in einem Umzug beschlagnahmt wurde.

Leere nur zur Ausstellung

Ein Präsidentenpalast kann nicht besichtigt werden. Es muss also ein Ereignis geben, damit die Regel nachgibt - und dieses Ereignis ist nicht die Enthüllung, sondern die Leere. Die Kuratoren gehen davon aus: Die eigentliche Präsentation ist kein Werk, sondern das Gebäude selbst. Ohne zeremonielles Mobiliar, ohne Gottesdienste, ohne das Ballett der Platzanweiser hört Bellevue auf, eine Bühne zu sein, und wird wieder zu einer Lautstärke. Der möblierte Palast erzählt das Protokoll; Der kahle Palast erzählt von der Verwaltung.

Bildnachweis: Akademie der Künste

Acht Jahre, 601 Millionen

Hinter der kulturellen Klammer verbirgt sich eine Akte ganz anderen Ausmaßes. Die Grundsanierung des Berliner Hauptquartiers des Bundespräsidenten beläuft sich auf mindestens 601 Millionen Euro und ist auf bis zu acht Jahre angelegt. Sicherheit, Brandschutz, Energieeffizienz, bauliche Mängel eines Gebäudes aus dem Jahr 1786, die zu oft in Eile behoben werden: Der Präsidentschaft geht es um das Notwendige, nicht um Prestige.

Wo lebt der Staat, wenn der Palast stirbt?

Die Schließung dauert länger als ein Mandat. Der im nächsten Frühjahr erwartete Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier wird seine gesamten fünf Jahre außerhalb der Mauern absolvieren. Ein ganzer Präsident ohne seinen Palast.

Die Kontinuität wird nicht unterbrochen: Ein bereits fast fertiggestellter Ersatzbezirk wird übernehmen und Staatsgäste empfangen, das Präsidialamt möchte „voll einsatzfähig“ sein. Den Staat voll handlungsfähig zu halten, während sein Hauptquartier entkernt wird: Das ist Verwaltung im reinsten Sinne. Der Mythos der Residenz ist ebenfalls dürftig - nur ein Präsident lebte wirklich in Bellevue, Roman Herzog, der ihr wegen des Mangels an zuverlässigem Wasser und Strom den Spitznamen „Bruchbude“, eine Bruchbude, gegeben haben soll.

Bildnachweis: Akademie der Künste

Steinmeier hätte die Türen schließen können. Er entschied sich dafür, zunächst im Zeichen der künstlerischen Freiheit zu eröffnen. Aus einem rein logistischen Zwang - das Gebäude muss evakuiert werden - ergibt sich eine Zustandsmeldung. Erzwungene Leere wird zur Opfergabe.

Ein Palast sagt nie so viel über den Staat aus wie der Tag, an dem wir uns darauf einigen, ihn auszulöschen.