Ausgabe in deutscher Sprache
Intendance Palace
Intendance Palace

Rückblick auf die Kunst, den Tisch zu beherrschen

Die Kunst der Tafel

Das weiße Gold der Imperien 3/6: Die Tafeln der Antike

Mit den großen antiken Zivilisationen war das Essen nicht mehr nur ein Akt des Überlebens, sondern wurde zu einem politischen, religiösen und sozialen Instrument.

Der Tisch organisiert nun Hierarchien, behauptet Prestige und demonstriert Macht.

Bereits im alten Ägypten hatte Geschirr eine heilige Dimension. Bereits im 5. Jahrtausend v. Chr. entwickelten Kunsthandwerker ägyptisches Steingut, eine glänzende Keramik mit türkisfarbenen Reflexen, die durch verglaste Glasuren entsteht. Dieses leuchtende Material begleitet Bankette, Bestattungsriten und Opfergaben an die Götter. In Königsgräbern symbolisieren die Tassen, Krüge und Tabletts sowohl irdischen Reichtum als auch das Versprechen von Überfluss im Jenseits.

Bei den Griechen wurde das Bankett zu einem intellektuellen und aristokratischen Ritual: das Symposion, wörtlich „gemeinsames Trinken“. Auf Klinai liegend tauschen die Gäste Poesie, Philosophie und Politik bei einem Wein aus, der im zentralen Krater gemixt wird. Jedes Objekt hat eine bestimmte Funktion: Kylix zum Trinken, Amphore zum Konservieren, Oenochoe zum Servieren.

Attische Keramik verwandelt den Tisch bereits in eine kodifizierte Sprache.

Rom verstärkt diese Theatralisierung des Essens. Im Triklinium organisieren die kaiserlichen Eliten spektakuläre Abendessen, bei denen Überfluss zur Machtdemonstration wird. Dank Terra Sigillata, leuchtend roter Keramik, die im gesamten Reich in großem Maßstab hergestellt wurde, wurde das Geschirr standardisiert. Die gallischen Werkstätten von La Graufesenque stellen durch Brennen Zehntausende Stücke her: eine wahre Tischindustrie vor ihrer Zeit.

In ganz Ägypten, Griechenland und Rom hat sich eine Idee nachhaltig etabliert: Die Art und Weise, Speisen zu servieren, anzurichten und zu teilen, offenbart die soziale Ordnung selbst. Das Bankett wird dann zum Spiegel der Macht – ein Prinzip, das auch heute noch große diplomatische Tische prägt.