Ausgabe in deutscher Sprache
Intendance Palace
Intendance Palace

Rückblick auf die Kunst, den Tisch zu beherrschen

Die Kunst der Tafel

Das weiße Gold der Imperien 5/6: Europa erobert das weiße Gold

Als Marco Polo im 13. Jahrhundert am Yuan-Hof chinesisches Porzellan entdeckte, wusste Europa noch fast nichts über dieses weiße, feine und durchscheinende Material. Fasziniert verglich er es mit den „Porcellana“-Muscheln und gab damit unwissentlich einem der begehrtesten Objekte der Geschichte seinen Namen.

Jahrhundertelang blieb Porzellan aus dem Orient für die Europäer ein Mysterium.

Ab dem 16. Jahrhundert brachten die Seewege dieses Gleichgewicht durcheinander. Die Portugiesen eröffneten den Handel mit Asien, bald darauf folgte die niederländische VOC, die 1602 gegründet wurde. Dieses Unternehmen wurde zur ersten großen Welthandelsmacht und überschwemmte Europa mit chinesischem und japanischem Porzellan. In Amsterdam lösen Versteigerungen ganzer Lieferungen ein regelrechtes „Weißgold“-Fieber aus.

Da es den Europäern nicht gelingt, die chinesischen Geheimnisse zu beherrschen, ahmen sie nach.

In Florenz stellten die Medici Ende des 16. Jahrhunderts das erste Weichporzellan her.

In Holland entwickelte Delft weißes und blaues Steingut, inspiriert von Ming-Modellen, was den europäischen Geschmack für Chinoiserie hervorbrachte.

Der eigentliche Wendepunkt kam 1710 im sächsischen Meißen. Dank sächsischem Kaolin lüftet Johann Friedrich Böttger endlich das Geheimnis des europäischen Hartporzellans.

Zum ersten Mal konkurriert Europa mit China.

Porzellan wurde dann zu einem wichtigen diplomatischen Instrument: Monumentale Dienste, Figuren, königliche Geschenke und fürstliche Befehle zirkulierten zwischen europäischen Höfen.

In Frankreich verkörpert Sèvres den Höhepunkt monarchischer Raffinesse, unterstützt von Ludwig XV. und Madame de Pompadour.

Dann ermöglichte die Entdeckung des Kaolins aus Limoges im Jahr 1768 Frankreich seine eigene Produktion von Hartporzellan.

In Versailles verwandelte der Service im französischen Stil den Tisch in ein politisches Theater: Fülle, Symmetrie und Etikette wurden zu sichtbaren Zeichen königlicher Macht.