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Intendance Palace
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Die Gazette des Intendanten

Paläste der Welt

Oman: Al Alam, der Palast aus Gold und Blau von Maskat

In Maskat wurde der zeremonielle Palast Al Alam nicht zum Wohnen erdacht, sondern zum Empfangen. Und das Wesentliche, das man dort austauscht, wird nicht gesagt: es wird eingeschenkt, gereicht und eingeatmet. Eine Reise in eine Diplomatie der Sinne, in der Kaffee, Dattel und Weihrauch den Staatschefs den ganzen Empfang bereiten.

Man stellt sich eine Staatsaudienz vor, gemacht aus Reden, Händedrücken und Kommuniqués. In Oman geschieht das Wesentliche anderswo, und ohne ein Wort. Ehe ein Wort gefallen ist, hat der Gastgeber schon alles gesagt: durch den aus einer Kanne eingeschenkten Kaffee, durch die mit der rechten Hand gereichte Dattel, durch die Weihrauchschwade, die den Raum und die Kleider der Gäste durchduftet. Und diese Szene spielt sich in Maskat an einem Ort ab, der einzig für sie errichtet wurde: dem zeremoniellen Palast Al Alam, der nicht der Wohnsitz des Herrschers ist, sondern seine Bühne des Empfangs. Hier begleitet die Gastlichkeit nicht das Protokoll: sie ist das Protokoll, ganz und gar aus Gesten, Aromen und Düften gemacht.

Eine Reise in eine Diplomatie der Sinne.

Nationalemblem Omans am Tor des Palasts Al Alam in Maskat, Oman

Ein Palast, der den offiziellen Empfängen vorbehalten ist

Al Alam - „die Flagge” - liegt am Ende der Altstadt von Maskat, dem Hafen zugewandt, dort, wo das Meer einst die Gesandten heranführte. Das Gebäude, das man heute sieht, stammt aus dem Jahr 1972: eine in Gold und Blau leuchtende Fassade, getragen von hohen, kelchförmig ausschwingenden Säulen, an den Berg gelehnt und zu beiden Seiten bewacht von den Festungen Al Jalali und Al Mirani, die aus der portugiesischen Präsenz des 16. Jahrhunderts überliefert sind.

Der entscheidende Punkt liegt in einer seltenen Unterscheidung: Al Alam ist nicht die Residenz des Sultans. Es ist ein zeremonieller Palast, den offiziellen Empfängen vorbehalten, dem Empfang von Staatschefs und ausländischen Delegationen, der Überreichung von Beglaubigungsschreiben. Der Herrscher schläft nicht dort; er empfängt dort. Der Ort ist eine gebaute Schwelle, eine Architektur, die ganz dem Augenblick gewidmet ist, in dem man den anderen eintreten lässt. Nichts daran ist häuslich; alles ist auf die Begegnung hin angeordnet. Und gerade weil der Palast reine Bühne des Empfangs ist, verdient das, was sich dort abspielt, dass man innehält.

Die Kahwa, erste Geste des Empfangs

Die Begegnung beginnt mit dem Kaffee, und der Kaffee ist hier kein Getränk: er ist eine Präambel. Die omanische Kahwa, leicht geröstet, wird mit Kardamom und Safran gewürzt, mitunter mit Rosenwasser; sie wird aus einer langschnabeligen Kanne, der Dallah, in kleine henkellose Tässchen, die Finjan, gegossen. Jede Einzelheit des Service trägt einen Sinn.

Man schenkt wenig ein - nur wenige Schlucke - und man schenkt von hoch oben ein, um die Tasse mit ein wenig Schaum zu krönen. Man serviert mit der rechten Hand, beginnend beim ältesten oder ranghöchsten Gast, dann die Rangordnung der Anwesenden hinab. Der Kaffee wird stets von der Dattel begleitet, Khalas oder Fardh, deren Süße der Bitterkeit der Tasse antwortet. Und wenn ein Gast genug getrunken hat, sagt er es nicht: er wiegt die Tasse sacht zwischen den Fingern, und der Ausschank endet. Dieses ganze Ballett - wer einschenkt, wem zuerst, mit welcher Hand, wie oft - sagt ohne ein Wort Rang, Respekt und Maß. In Oman beginnt eine Audienz in einer Tasse.

Die Dallah und die Finjan-Tassen: der omanische Kaffeeservice, erster Akt jedes Empfangs.

Der Weihrauch, die omanische Signatur

Dann kommt der Duft, und mit ihm die unsichtbare Signatur der omanischen Gastlichkeit. Oman war in der Antike das große Land des Weihrauchs: der Dhofar im Süden bringt seit Jahrtausenden den Luban hervor, jenes Harz, das die Weihrauchstraße nährte und den Reichtum der Region begründete - ein Erbe, das heute unter dem Namen „Land des Weihrauchs” zum UNESCO-Welterbe zählt. Was die Karawanen einst nach Rom und Indien verkauften, durchduftet noch die Empfänge von heute.

Im Majlis, dem Raum des Empfangs, verbrennt man den Weihrauch auf einem Kohlebecken, dem Mabkhara, und lässt ihn unter den Gästen kreisen. Der Rauch ist keine Zierde: er ist ein Zeichen der Ehre. Er reinigt die Luft, er kündet von der Sorgfalt, die dem Gast gilt, er hüllt jeden in denselben Duft des Willkommens. Man reicht das Räuchergefäß von Hand zu Hand, damit jeder den Rauch in seine Kleider und sein Haar dringen lässt. Den Weihrauch zu empfangen heißt in Oman, geehrt zu werden; und die Geste macht jedes Wort entbehrlich: sie genügt, um dem Besucher spüren zu lassen, dass er willkommen ist. Wo der Kaffee die Audienz eröffnet, hält der Weihrauch ihre Atmosphäre.

Das Räuchergefäß (Mabkhara) und der Weihrauch aus dem Dhofar, olfaktorisches Herz der omanischen Gastlichkeit.

Düfte, von den Seewegen mitgebracht

Diese Aromen und diese Düfte sind nicht einem einzigen Terroir entsprungen: sie kommen vom Meer. Jahrhundertelang war Oman eine Seemacht, verbunden mit Ostafrika, mit Indien, mit Persien und bis nach Sansibar, das lange unter seiner Herrschaft stand. Von diesen Wegen kehrten eben die Düfte der Gastlichkeit zurück: der Kardamom, der Safran, das Rosenwasser, die den Kaffee veredeln. Das omanische Empfangstablett ist auf seine Weise die Landkarte eines alten Reiches der Meere.

Dieser Ursprung erklärt den so eigentümlichen Ton des omanischen Protokolls: nüchtern, aber weltoffen; zurückhaltend, aber reich. Man sucht dort nicht durch Übermaß zu blenden, sondern durch das rechte Maß zu ehren. Die Großzügigkeit drückt sich in bemessenen Gesten aus, nie in Zurschaustellung. Bis hin zum Khanjar, dem gekrümmten Dolch, den man bei den offiziellen Zeremonien am Gürtel trägt, läuft alles auf denselben Gedanken hinaus: Würde zeigt sich in der Haltung, nicht im Prunk.

Eine sinnliche Kunst des Empfangens

Man muss sich hüten, diese Szene zu exotisieren. Das sinnliche omanische Protokoll ist keine pittoreske Folklore: es ist ein Staatszeremoniell von einer Verfeinerung, die jener der großen westlichen Höfe gleichkommt, nur in einem anderen Alphabet geschrieben. Wo der Westen die Macht durch den Vorrang der Sitze, die Reihenfolge der Trinksprüche und die Länge der Reden verschlüsselt, verschlüsselt Oman sie durch die Hand, die einschenkt, die Reihenfolge des Service und den Rauch, der kreist.

Genau darin ist das Thema zutiefst eine Sache der Intendanz. Hinter der scheinbaren Schlichtheit einer Tasse und eines Räuchergefäßes verbirgt sich eine bis auf die Geste geregelte Choreografie, von Generation zu Generation weitergegeben und in einem Palast vollzogen, der für sie erdacht wurde. Empfangen ist hier kein Vorspiel zur Diplomatie: es ist deren Sprache selbst. Und diese Sprache hat den seltenen Vorzug, ohne Übersetzung auszukommen - ein ausländischer Staatschef braucht kein Arabisch zu verstehen, um zu begreifen, dass man ihn ehrt.