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Intendance Palace
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Die Gazette des Intendanten

Diplomatische Küche

Türkei: der Honig, das Brot und die Diplomatie des Geschmacks bei der NATO

Ein Gipfel des Atlantischen Bündnisses bemisst sich gewöhnlich in Prozentanteilen des BIP, die der Verteidigung gewidmet sind. In Ankara bemaß er sich auch in Honigtöpfen und in Broten, gebacken im Steinofen.

Kein Schlusskommuniqué erwähnt je ein Menü. Und doch war es durch dieses, dass die Türkei zu den zweiunddreißig Staats- und Regierungschefs sprechen wollte, die zum NATO-Gipfel am 7. und 8. Juli 2026 versammelt waren.

Noch vor den Reden eines Ministers oder eines Generalsekretärs waren es ein Brett mit Fladenbrot und eine Honigwabe, gereicht zur Eröffnung des Empfangsdinners, die den Ton des Abends angaben.

Ein bis in die kleinste Geste geregelter Empfang

Am Abend des 7. Juli empfingen Präsident Recep Tayyip Erdoğan und die First Lady Emine Erdoğan jeden Delegationsleiter persönlich auf der Freitreppe des Hauptgebäudes des Präsidialkomplexes von Beştepe am Stadtrand von Ankara, wobei sie jeden Gast und seinen Partner einzeln begrüßten, ehe die protokollarischen Fotografien folgten. Während dieser Ankunft gab ein Militärorchester in osmanischer Tracht dem Empfang den Takt: Die Kapelle der türkischen Streitkräfte spielte traditionelle Märsche, während der amerikanische Präsident Donald Trump sichtlich sein Vergnügen an der Darbietung des Mehter zeigte.

Das Dinner fand anschließend in einem Bereich des Komplexes statt, der unter dem Namen Winter Garden bekannt ist. Vertreter Japans, Südkoreas, Australiens und Neuseelands gesellten sich an jenem Abend zu den Delegationen des Bündnisses, an der Seite des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Diese Vielfalt der Gäste ist kein geringfügiges protokollarisches Detail: Sie verweist auf ein Dinner, das darauf angelegt war, den bloßen NATO-Kreis zu überschreiten und ein Bild der Öffnung hin zu den indopazifischen Partnern zu entwerfen.

Das Menü als Landkarte des Landes

Am meisten Aufmerksamkeit erregt die Zusammensetzung der Mahlzeit. Der mit dem Menü betraute Chefkoch Fatih Tutak erklärte, er habe durch die Gerichte die regionale Vielfalt der Türkei und die Arbeit der örtlichen Erzeuger darstellen wollen. Das Menü wurde über mehrere Wochen hinweg nach den Grundsätzen der Saisonalität, der lokalen Beschaffung und der Nachhaltigkeit vorbereitet, mit zahlreichen Zutaten, die von Erzeugern aus dem ganzen Land geliefert wurden.


Das Menü des Dinners von Ankara, 7. Juli 2026


Die Mahlzeit begann mit einer im Steinofen gebackenen Pide, begleitet von Butter aus Trabzon und einer Honigwabe aus Hizan, ehe sie mit Gemüse nach Art des Sebze Bayıldı fortfuhr, verfeinert mit geräuchertem Joghurt aus Denizli. Es folgten ein Wolfsbarsch mit Tarama, Artischocken aus Urla mit Mastix parfümiert und Weinblätter aus Tokat, danach ein Firik-Bulgur mit Morcheln. Der Hauptgang bot lange geschmorte Rinderrippen, Butter aus Trabzon und Aubergine, oder, als Alternative, Mantı, verfeinert mit geräuchertem Tomatenmark aus Ayaş. Das Dessert vereinte ein Milch-Baklava, eine Pistazienmousse, Bergamotte und ein Eis aus Maraş.

Das Menü hob regionale Spezialitäten und Zutaten mit geschützter geografischer Angabe hervor, von der Butter aus Trabzon und dem Honig aus Hizan bis zum Joghurt aus Denizli und dem geräucherten Tomatenmark aus Ayaş. Diese Wahl ist alles andere als belanglos für ein Land, das sein landwirtschaftliches Erbe ebenso aufwerten will wie seine Küche.

Eine Gastrodiplomatie, die über die Tafel hinauszielt

Die Wahl, ein ganzes Menü um geschützte geografische Angaben herum aufzubauen, geht über den bloßen Wunsch, gut zu bewirten, hinaus. Es ist eine Art, ein diplomatisches Dinner in ein wirtschaftliches Schaufenster zu verwandeln, in dem jedes Erzeugnis auf eine Region, einen Erzeuger, ein genaues Terroir verweist. Der Honig aus Hizan oder die Butter aus Trabzon werden, für die Dauer eines Abends, zu stillen Botschaftern der ländlichen Türkei gegenüber den Delegationen des Atlantischen Bündnisses.

Diese Wahl fügt sich auch in eine wohlbekannte Tradition der zeitgenössischen Gastrodiplomatie ein, in der die Mahlzeit zu einem Instrument der Soft Power wird, ebenso wie eine offizielle Rede. Was die Türkei in Ankara auftischte, war weniger eine Mahlzeit von internationalem Prestige, ausgerichtet auf eine als allgemein verfeinert geltende Küche, als vielmehr eine bewusst regionale Terroir-Mahlzeit, die auf die regionale Authentizität setzt statt auf den diplomatischen Klassizismus.

Was ungewiss bleibt

Man muss es mit derselben Strenge festhalten wie bei jedem anderen von diesem Medium behandelten Thema: Die verfügbaren Quellen dokumentieren genau die Zusammensetzung des Menüs und den Ablauf des Empfangs, erlauben aber nicht die Feststellung, welche Delegation für dieses oder jenes Gericht besonders empfänglich war, noch, jeder kulinarischen Entscheidung eine genaue diplomatische Absicht zuzuschreiben. Was man behaupten kann, ist die Struktur des Menüs und seine bewusst regionale Verankerung. Was man nicht behaupten kann, ist die psychologische oder strategische Deutung, die jeder Gast daraus gemacht haben mag.

Eine Mahlzeit, die einen Gipfel schließt, bevor er sich öffnet

Darin liegt das Paradox. Das Dinner von Beştepe fand noch vor der offiziellen Eröffnung der Beratungen des Gipfels statt, eher als Auftakt denn als Abschluss. In der zeitgenössischen Diplomatie geht die Tafel bisweilen der Verhandlung voraus und bereitet den Boden für eine Aussprache, die noch nicht begonnen hat. Ankara wählte, seinen Gipfel mit einem Honig und einem Brot zu eröffnen statt mit einer Erklärung, was für sich genommen bereits eine Botschaft ist.

Der Chefkoch Fatih Tutak zeichnet für das offizielle Galadinner des 36. NATO-Gipfels der Staats- und Regierungschefs in Ankara verantwortlich

Im Kommuniqué zitiert, erklärte der Chefkoch Fatih Tutak:

„Die türkische Küche an einer so prestigeträchtigen Tafel zu vertreten, war für uns eine immense Ehre. Durch dieses Menü wollten wir in einer zeitgenössischen kulinarischen Sprache von den Erzeugnissen aus den verschiedenen Regionen der Türkiye erzählen, von der Arbeit unserer Erzeuger und vom Gedächtnis unseres gastronomischen Erbes. Mit dieser Begegnung von solcher Bedeutung, ausgerichtet von der Türkiye, in Verbindung gebracht zu werden, hat für uns einen großen Wert.”


Quellen